Der Sozialraum Bilderstöckchen

Das nördliche Bilderstöckchen liegt wie eine kleine Insel im Nordwesten Kölns.

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Der Sozialraum Bilderstöckchen

1.  Erscheinungsbild des Sozialraumes Köln-Bilderstöckchen

Der Sozialraum Köln-Bilderstöckchen ist ein relativ neuer Stadtteil im Kölner Norden, der sich erst nach dem Krieg entwickelt hat. Ein historisches, gemeinsames Zentrum ist nicht vorhanden. Der Stadtteil wird umschlossen durch die Stadtautobahn, Bundesbahnanlage und Industriegebiet. Der „Gürtel“, eine vierspurige Straße, teilt den Stadtteil in zwei Teile.

Bilderstöckchen erlebt seit einigen Jahren einen strukturellen Wandel. Waren früher zwei Obdachlosensiedlungen, eine hohe Arbeitslosigkeit und sozialer Wohnungsbau vorherrschend, zieht es heute immer mehr junge Familien aus anderen Stadtteilen nach Bilderstöckchen, wo Wohnraum noch bezahlbar ist. Die Mischung mit Menschen aus verschiedenen Nationen und unterschiedlichen sozialen Schichten macht das Leben im Stadtteil aus.

TortengrafikAuf dem 3,8 qkm großen Stadtteil lebten am 31.Dezember 2014 → 15.523 Menschen in 7.209 Haushalten

In den zurückliegenden 4 Jahren verzeichnet der Stadtteil einen Bevölkerungszuwachs von 219 Personen.

Der Sozialraum Bilderstöckchen ist ein Mischgebiet von Bauformen mit zu definierenden lokalen Inseln entsprechender Häuser. Es sind deutlich mehr Mehrfamilienhäuser wie Reiheneinfamilienhäuser zu verzeichnen, deren Bewohner in ihrem Wohnniveau teilweise als sozial bedürftig benannt werden können. Diese soziale Lage verschärft sich durch mehrere Hochhäuser – von bis zu 50 Wohnparteien –, in denen sich soziale Missstände anhäufen.

Es gibt zwei klassische soziale Brennpunkte (kein Mietvertrag/Nutzungsvereinbarungen mit der Stadt Köln). In einem befindet sich eine Tageseinrichtung für Kinder des Familienzentrums Bilderstöckchen (FZB). Die zweite Tageseinrichtung für Kinder vom FZB befindet sich in einen Neubau mit sozialem Wohnungsbau.

Zu dem dichtbesiedelten Wohngebiet gehören Grünflächen von insgesamt 13 %. Darunter befindet sich der großflächig konzipierte Blücher-Park mit Teich zum Kahnfahren, Liege- und Spielwiesen und Kleingartenanlagen. Er ist beliebt bei Groß und Klein und ist auch Anziehungspunkt für Bewohner aus angrenzenden Stadtteilen. Neu entstanden ist hier auch der einzige Inklusive Spielplatz Kölns.

Auf der Fläche der Häuser, in denen früher belgische Soldaten stationiert waren, ist neuer hochwertiger Wohnraum entstanden. Die Bebauung wurde in den letzten Jahren noch weiter verdichtet.

Die Wohnungsmarktsituation für günstige Wohnungen ist auch in diesem Stadtteil angespannt. Es fehlen vor allem nach wie vor bezahlbare große Wohnungen.

Das allgemeine Sozialraumbild gestaltet sich entsprechend der oben genannten zu definierenden Bebauungsinseln. In den durch Eigentum geprägten Inseln, ist die Pflege von Haus und Garten gut sichtbar und abzulesen. In den Mehrfamilien- und Hochhäusern im nördlichen Bilderstöckchen trifft man häufig auf desolate Flure, Hauseingänge und vernachlässigte Grünflächen.

Der Sozialraum Bilderstöckchen hat im Profil der Grosstadt ein negativ geprägtes Image.
Dieses Image, das sich eher von Unkenntnis der realen Bedingungen leiten lässt, sieht  die negativen Lagen des Viertels – und lehnt deshalb den gesamten Sozialraum ab.

Der Sozialraum ist ein Stadtteil mit Erneuerungsbedarf.

Wanderungen
Fortzüge aus Köln je 100 Einwohner: 4,2 %
Zuzüge nach Köln je 100 Einwohner: 4,0 %
Saldo: Außenwanderungen = – 41
Innerstädtische Fortzüge je 100 Einwohner: 4,8 %
Innerstädtische Zuzüge je 100 Einwohner: 5,0 %
Saldo: Binnenwanderungen = 38

Wohndauer in der Wohnung
Einwohner: 15.523
Darunter mit Wohndauer unter 5 Jahre: 40,3 %
Darunter mit Wohndauer 5 Jahre und länger: 59,7 %

Wohnungen: 6.719
Darunter geförderte Wohnungen: 10,9 %

Qm-Wohnfläche pro Einwohner: 30,5qm

2. Angebote im Sozialraum Köln-Bilderstöckchen

Im Sozialraum Bilderstöckchen sind alle für den täglichen Bedarf notwendigen Waren erhältlich. Der tägliche Bedarf wird vornehmlich auf dem Niveau von Großdiscountern bedient. In den letzten Jahren haben sich Läden mit türkischen Produkten angesiedelt.

Es gibt jedoch keinen Ortsmetzger oder einen Bekleidungsladen. Ein konzeptionell gesund ausgerichtetes Waren-/ Ernährungsangebot ist nicht vorhanden. Es gibt nur ein Restaurant und Hotels fehlen ganz. Dafür gibt es mehrere Fast-Food-Angebote und sogenannte „Büdchen“. Eine Buchhandlung hat sich im Stadtteil gut etabliert.

Ein ausreichendes medizinisches Versorgungsangebot wie Allgemeinmedizinische Ärzte etc. ist nicht gegeben, es kann von einem Versorgungsnotstand gesprochen werden. So ist zum Beispiel der einzige Kinderarzt im Stadtteil für 2.500 Kinder zuständig. Es gibt im Stadtteil eine logopädische Praxis.

Die größeren angrenzenden Stadtteile und auch das Zentrum von Köln, sind durch den Öffentlichen Personen Nahverkehr sehr gut erreichbar.

Die Freizeitangebote für Kinder/Jugendliche im Sinne der öffentlichen Spiel- und Freiflächen sind ausreichend; wenn sie sich in benutzbarem Zustand befinden.

Seit 2011 gibt es einen Bolzplatz für die Jugendlichen.

Der Stadtteil verfügt über keinen eigenen Sportverein. Fußballvereine werden durchgängig in Nachbarstadtteilen genutzt. Verschiedene Sportvereine bieten unterschiedliche Sportangebote in Turnhallen der Schulen im Bilderstöckchen an. Die Versorgung der Jugendlichen, durch aktuell 3 Jugendeinrichtungen und einem Jugendbüro, ist ausreichend.

Im Stadtteil gibt es drei Grundschulen mit offener Ganztagsbetreuung. Die Nachfrage nach der Nachmittagsbetreuung in den Schulen ist größer, als das vorhandene Platzangebot. Von den 3 Grundschulen liegt eine im südlichen und zwei im nördlichen Stadtteil. Von den letzteren wurde eine im Jahr 2008 zur ersten bilingualen türkischen Grundschule in Köln.

OGTS
6 – unter 10-jährige OGTS Kinder:  398
Betreuungsquote OGTS insgesamt: 60,4 %
Dito mit Migrationshintergrund: 56,2 %
Anteil beitragsbefreite Kinder an allen OGTS Kindern: 52,8 %
Dito mit Migrationshintergrund: 59,8 %

Inklusion
Grundschüler mit Förderbedarf: 26
Inklusionsquote an Grundschulen: 4,1 %

Bildungschancen
Übergangsquoten Grundschule – Gymnasium: 34,4 %

Im Quartier Bilderstöckchen gibt es neun Tageseinrichtungen für Kinder, vier im südlichen und fünf im nördlichen Bilderstöckchen.

3. Leben im Sozialraum

Auch das soziale Leben im Bilderstöckchen zeigt sich in mehreren Inseln. Vier Kirchengemeinden (katholische, evangelische, freikirchliche) bilden einen Bezugspunkt für einen Teil der Familien. Zusätzlich gibt es die Gruppierungen der Menschen aus verschiedenen Nationen, wie Türken, Italiener, Portugiesen, Afrikaner, und verschiedenen Religionen, wie Christen, Muslime, Yeziden, Kurden usw.

Neben jungen Familien und vielen Alleinerziehenden, gibt es ganze Familienclans mit großem Familienzusammenhalt.  
Nicht zu vergessen ist der Karnevalsverein im Stadtteil. Ein Bürgerverein setzt sich für die Belange des Viertels ein. Es gibt einen Ortsverband der SPD und der CDU.

Eine über die Statteilgrenzen hinaus bekannte Initiative „Kellerladen e. V.“, ist in einem Wohnquartier seit Jahrzehnten sozial engagiert.

Die Polizei zeigt Präsenz im gesamten Viertel, wobei sich die wiederkehrenden, konkreten Einsatzrufe in den oben beschriebenen sozialen Brennpunkten häufen. Zu bemerken sind immer wieder Konflikte zwischen rivalisierenden Jugendbanden an deren informellen Treffpunkten, wie Bushaltestellen, Unterführungen …

Die angesiedelte U-Bahnhaltestelle muss als „Angstraum“ für viele bezeichnet werden. Auch zwischen Anwohnern und Jugendlichen ist ein gewisses Konfliktpotential zu beobachten. Streitigkeiten unter Nachbarn enden nicht selten vor Gericht.

Seit 1987 haben sich alle sozialen Institutionen zu einem Arbeitskreis „Bilderstöckchenkonferenz“ zusammengeschlossen. Hier werden Stadtteilbelange angesprochen, bei Bedarf Lösungen erarbeitet und Arbeitsaufträge verteilt.

Seit April 2007 ist der Stadtteil Bilderstöckchen zu einem der 11 „Sozialraumgebiete“ in Köln benannt worden. Dies geschah auf Grund der hohen sozialen Benachteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner.

Im Jahr 2014 gab es im Bilderstöckchen:

Arbeitslosigkeit

Sozialleistungsbezug SGB XII

bei Erwerbsminderung: 93

Menschen mit Migrationshintergrund:  7687 (49,5 %)

Der kleine Stadtteil ist sehr kinderreich. Von 7.207 Haushalten insgesamt sind:

Leistungsberechtigte SGBII: 2.555 (19,7 %)

Darunter:

Versorgungsquoten

Hilfen zur Erziehung

Anteil laufender Hilfen zur Erziehung nach §§ 27 – 35 SGB VIII'

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte: 1.702

Darunter:

In den TE des Familienzentrums Bilderstöckchen werden 151 Kinder betreut. Davon weisen 109 Kinder einen Migrationshintergrund auf. Das entspricht einer Summe von 72,2 %, die aus 23 Nationen stammen. (Erhebungsdatum 12.2015) Fast die Hälfte der Kinder stammt aus Familien mit drei und mehr Kindern.

Den oben aufgeführten statistischen Angaben ist deutlich zu entnehmen, dass es sich um einen Stadtteil handelt, in dem Armut eine große Rolle spielt.

Bedarfsgemeinschaften nach SGB II

Kinderbetreuung

Der Anteil laufender Hilfen zur Erziehung nach §§ 27 bis 35 SGB VIII unter 21 Jahren beträgt 3,3 %, was eine Steigerung von 0,5 % gegenüber 2011 und ein Plus von 1,3 % gegenüber der gesamtstädtischen Rate (2,0 %) bedeutet. Die Versorgungsquote liegt bei

für die unter 3-jährigen Kinder 39,6 %, (davon Migrationshintergrund 49,6 %)
für die 3 bis 6-jährigen Kinder 93,8 % (davon Migrationshintergrund 69,8 %)
Von den Kindern sind 53,1 % beitragsbefreit – der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund beläuft sich dabei auf 60,2 %.

Familienzentrum Bilderstöckchen

In den beiden Tageseinrichtungen für Kinder des Familienzentrums Bilderstöckchen werden 152 Kinder betreut. (Erhebungsdatum: 31.12.2014)

Sie bzw. ihre Eltern kommen aus 26 Nationen.

Weitere Sozialraumdaten finden Sie unter www.koeln-bilderstoeckchen.de.

Dezember 2015

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