KONZEPTION
1. Träger und Lage des Familienzentrums Bilderstöckchen
(FZB)
Die Träger Diakonisches Werk Köln und Region und Netzwerk e.V. – Soziale Dienste und Ökologische Bildung haben sich am 1. August 2006 mit folgenden Einrichtungen im Sozialraum Köln-Bilderstöckchen als Verbund zu einem Familienzentrum zusammengeschlossen:
- Integrative Tageseinrichtung für Kinder im sozialen Brennpunkt – Am Bilderstöckchen 60c
- Tageseinrichtung für Kinder im sozialen Brennpunkt – Longericher Straße 153
- Heilpädagogischer Dienst – Longericher Straße 138
Beide Tageseinrichtungen haben in den vergangenen Jahren eine Veränderung erfahren. Das Betreuungsangebot für Schulkinder mussten beide Einrichtungen zu Gunsten der Offenen Ganztagsgrundschule aufgeben. Die eine Einrichtung ist eine Straße weiter als integrative Einrichtung (zwei integrative Gruppen) in einen Neubau des sozialen Wohnungsbaus umgezogen. Die zweite Tageseinrichtung wurde umgebaut und betreut unter 3-jährige Kinder in zwei Gruppen. Alle drei Institutionen sind fußläufig voneinander entfernt.
Der Sozialraum Köln-Bilderstöckchen ist ein relativ neuer, erst nach dem Krieg sich entwickelnder Stadtteil im Kölner Norden. Er kann auf nur wenig gewachsene Strukturen zurückgreifen. Ein historisches, gemeinsames Zentrum ist nicht vorhanden. Der „Gürtel“, eine vierspurige Straße, teilt den Stadtteil in zwei Teile. Der nördliche Teil führt ein gewisses „Inseldasein“. Er wird von Industriegebiet, Bahnanlage, Stadtautobahn und „Gürtel“ eingerahmt.
Der Stadtteil Bilderstöckchen hat eine zunehmende Bevölkerungsstruktur. Am 31. Dezember 2010 lebten hier 15.106 Menschen.
- Davon sind Einwohner unter 6 Jahre 1.032
- Davon sind Einwohner 6 bis 14 Jahre 1.567
- Davon sind Einwohner 15 bis 17 Jahre 534
- ?Davon sind Einwohner 18 bis 64 Jahre 9.470
- Davon sind 65 Jahre und älter 2.503
Im Stadtteil leben Menschen mit Migrationshintergrund: 7.005 (46,4 %)
- Davon sind eingebürgerte Einwohner 1.982
- Davon sind Einwohner mit Migrationshintergrund unter 18 Jahren 1.956 (62,4 %)
Der kleine Stadtteil ist sehr kinderreich. Von 6.959 Haushalten insgesamt haben:
- 855 Haushalte ein Kind
- 922 Haushalte zwei und mehr Kinder
Es leben 431 Alleinerziehende im Bilderstöckchen.
In den oben genannten Tageseinrichtungen für Kinder werden 156 Kinder betreut. Davon haben 112 Kinder einen Migrationshintergrund, das sind 70,9 %. Sie kommen aus 16 verschiedenen Nationen (Erhebungsdatum: 31.12.2010).
Neben Einfamilienhäusern, Siedlungswohnungsbau und Hochhäusern gibt es spezifische Armutsinseln. Dies wird durch die nächsten Zahlen deutlich.
Am 31. Dezember 2010 gab es im Bilderstöckchen:
- 1.130 Bedarfsgemeinschaften = 16,2 % von allen Haushalten im Stadtteil
- 517 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern = 29,1 % aller Haushalte mit Kindern im Stadtteil
- 229 Alleinerziehende = 53,1 % aller Alleinerziehenden im Stadtteil
Das bedeutet, dass viele Kinder im Stadtteil abhängig von öffentlichen Sozialleistungen sind.
Im April 2007 wurde der Stadtteil Bilderstöckchen zu einem der 11 „Sozialraumgebiete“ der Stadt Köln benannt. Es sind Stadtgebiete, in denen laut Statistik die Bewohnerinnen und Bewohner in sozialer Benachteiligung leben. Das Familienzentrum Bilderstöckchen (FZB) wendet sich schwerpunktmäßig an die Bürger des nördlichen Teils des Stadtteils. Schwerpunktthemen im FZB sind die Armut mit ihren Auswirkungen, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, geringe Bildungsreize usw. und die interkulturelle Arbeit. Das Konzept des Familienzentrums basiert auf einem Verbund von eigenständigen, miteinander kooperierenden Diensten, die gemeinsame Inhalte und Ziele verfolgen. Die niederschwelligen Angebote richten sich arbeitsfeldbezogen nach örtlichen Gegebenheiten, räumlichen Möglichkeiten und Bedarfen. So können unterschiedlich vertraute Bildungs- und Erfahrungsorte für Kinder und Eltern vernetzt werden. Alle Einrichtungen bedienen das direkte Wohnumfeld des Familienzentrums.
2. Gemeinsames Ziel
Das gemeinsame Ziel ist eine Verbindung von Betreuung, Bildung und Erziehung von Klein- und Kindergartenkindern sowie der Beratung und Bildung der Eltern im Sozialraum. Das FZB ist darüber hinaus Anlaufstelle für alle Alters- und Zielgruppen. Durch eine intensive Zusammenarbeit, regelmäßigen fachlichen Austausch und Anregungen der verschiedenen Partnerinstitutionen kann für die betroffenen Familien ein niederschwelliger Zugang zu den verschiedenen Einrichtungen und Kooperationspartnern geschaffen werden. Bedarfe können frühzeitig erkannt und Angebote zielgerichtet und bedarfsgerecht gemeinsam entwickelt werden. Dadurch wird präventive Arbeit möglich. Risikosituationen können rechtzeitig erkannt und Gefahrensituationen verhindert werden.
3. Personelle Ressourcen
Die personellen Ressourcen setzen sich zzt. wie folgt
zusammen:
- Integrative Tageseinrichtung für Kinder des Diakonischen Werkes Köln, Am Bilderstöckchen 60c:
- 1 Leiter, freigestellt
- 9 ErzieherInnen
- 2 KinderpflegerInnen
- 1 Motopädin
- 1 Sprachtherapeutin
- Tageseinrichtung für Kinder, Netzwerk e.V., Longericher
Straße 151–153
- 1 Leiterin, freigestellt
- 10 Erzieherinnen
- 2 Kinderpflegerinnen
- Heilpädagogischer Dienst, Netzwerk e.V., Longericher Straße
138
4. Struktur des FZB
Im FZB haben sich zwei Träger mit ihren Einrichtungen zu einem Verbund zusammengeschlossen. Dokumentiert wird die Zusammenarbeit in einer Verbundvereinbarung. In einer Geschäftsordnung für das FZB werden die Strukturen, Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Ziele beschrieben.
Die federführende Geschäftsführung übernimmt das Diakonische Werk Köln und Region. Die Leitung des FZB erfolgt durch eine Steuerungsgruppe. Sie setzt sich wie folgt zusammen:
- Leitung der integrativen TE Am Bilderstöckchen
- Leitung der TE Longericher Straße
- Heilpädagogin des Heilpädagogischen Dienstes
Bei Bedarf werden weitere Mitarbeiter/-innen der Einrichtungen hinzugezogen.
Die Steuerungsgruppe trifft in Abstimmung mit den Trägervertretern grundsätzliche Entscheidungen zur Erreichung der Ziele des FZB. Sie initiiert, koordiniert und lenkt die erforderlichen Schritte und Aufgaben. Die Steuerungsgruppe ist das Beratungs- und Entscheidungsgremium, in dem alle das FZB berührenden Fragen letztendlich zur Entscheidung vorbereitet werden.
- Aufgaben der Steuerungsgruppe sind inhaltliche Vorgaben für die Arbeit des FZB aufstellen
- Entscheidungen über Projekte, Aktionen und Kooperationen fällen
- Arbeitsfähigkeit des FZB sichern
- Weitertransport der Entscheidungen der Steuerungsgruppe in die angeschlossenen Einrichtungen und die Einbringung der Anregungen und Wünsche der Teams
- Öffentlichkeitsarbeit in Abstimmung mit den Trägervertretern durchführen und die Kommunikation zwischen FZB, den Institutionen und Bewohnern im Sozialraum vertiefen
- eng mit dem Sozialraumkoordinator zusammen arbeiten
- Geld, das dem FZB zur Verfügung steht, verwalten
- jährliche Überprüfung der Qualitätsentwicklung
- jährliche Überprüfung und Fortschreibung der Geschäftsordnung und Adressenliste
Die Steuerungsgruppe tagt einmal monatlich. Vorsitz, Gesprächsführung und Tagungsort wechseln zwischen den beiden Trägern. Einladung und Protokoll werden wechselweise von den beteiligten Institutionen gefertigt. Die Träger erhalten eine Kopie des Protokolls. Jährlich werden mit den Trägervertretern gemeinsam Schwerpunktthemen abgestimmt.
5. Leistungen des Familienzentrums
Wie bereits geschildert, befindet sich unser Familienzentrum in einer Armutsinsel im Kölner Norden. Es ist dringend notwendig, die Angebote des Familienzentrums an den Bedarfen der Bewohner dieses Teils des Bilderstöckchens auszurichten. Beide Tageseinrichtungen verfügen über eine lange Tradition der Arbeit mit den Familien im Viertel; es gibt ein gewachsenes Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Erzieher/-innen. Traditionell fühlen sich unsere Brennpunkteinrichtungen der Hilfe für Familien weit über die bloße Kinderbetreuung hinaus verpflichtet. Insofern greift der Gedanke der Familienzentren das auf, was in der Praxis unserer Arbeit bereits längst verankert ist. .
5.1 Beratung und Unterstützung von Kindern und Familien
Betreuung von Kinder U3
Im vergangenen Kindergarten Jahr wurde in der Tageseinrichtung von Netzwerk e.V. eine Gruppe zur Betreuung von U3-Kindern eingerichtet. In diesem Kindergartenjahr kam eine weitere Gruppe zur Betreuung von U3-Kindern dazu. Dadurch ist das FZB eine neue Herausforderung eingegangen. Alle Kinder unter 3 Jahren können während unseres monatlich stattfindenden Elterncafés und anderer Kursangebote mitgebracht werden. Es gibt während dieser Zeit eine Betreuung durch Mitarbeiterinnen der Einrichtungen. Bei Bedarf vermitteln wir Eltern mit U3-Kindern auch an eine qualifiziert geführte Eltern-Kind-Gruppe in einer Nachbareinrichtung.
Beratung durch den Heilpädagogischen
Dienst von Netzwerk e.V.
Die Heilpädagogin bietet in jeder Tagesstätte einmal im Monat eine offene Sprechstunde an. Eltern und Tagespflegeeltern können ihre Sorgen und Probleme in einem geschützten Raum zur Sprache bringen. Die Anliegen können Erziehung, Familie, Schule, Kindergarten, Kinderbetreuung, Schulden, Nachbarn oder den Sozialraum betreffen. Es werden umgehend Antworten gesucht. Das können intensive Beratungsgespräche, Diagnostik und Therapie von Kindern oder auch eine Weitervermittlung zu anderen Hilfen sein. Bei der Weitervermittlung wird eine Erstbegleitung in die neue Institution angeboten.
Beratung zum Umgang mit Geld oder bei Überschuldung
Zu unterschiedlichen Institutionen, die professionelle Schuldnerberatung anbieten, pflegen wir Kooperationsvereinbarungen, sodass wir Eltern individuell (stadtteilnah oder -fern) vermitteln können – und dies nicht nur zu deutschsprechenden Schuldnerberatern, sondern auch zu türkisch oder arabisch sprechenden Beratern. Selbstverständlich begleiten wir die Eltern bei Bedarf zum ersten Termin.
5.2 Kurse/Projekte zur zusätzlichen Sprachförderung
für die Kinder der Einrichtung
Viele im Sozialraum Bilderstöckchen lebende Kinder bedürfen der Sprachförderung, die über die im Alltag geleistete Förderung in der Kindertagesstätte hinausgeht. In einem Test werden die 4-jährigen auf ihre Sprachkompetenz überprüft.
Im Familienzentrum Bilderstöckchen fällt auf, dass ein erheblicher Anteil bei diesem Test keine ausreichenden Ergebnisse erreicht (15–20 %). Für diese Kinder werden Gruppen zu jeweils 4 bis 6 Kindern gebildet, die wöchentlich von einer Erzieherin der Einrichtung eine intensive Sprachförderung nach einem Curriculum erhalten. Diese Hilfe wird dokumentiert, ausgewertet und anderen Erzieherinnen der entsprechenden Gruppe zur Verfügung gestellt.
Weitere Angebote zur Sprachförderung sind der 14-tägige Besuch mit Kindern und interessierten Eltern in der katholischen Pfarrbücherei.
An diesem speziellen Öffnungstermin gibt es Lesungen, Spiele im Zusammenhang mit den besprochenen Büchern und eine Bücherausleihe.
Darüber hinaus gibt es Lesepatenschaften mit der Gemeinschaftsgrundschule Alzeyer Straße. Schulkinder lesen Kindergartenkindern ausgewählte Bücher vor, erhöhen damit ihre Lesekompetenz und wecken das Interesse der nicht lesekundigen Kinder an Literatur und Bildung.
5.3 Vorsorge und Prävention
Wir suchen Gelegenheiten, mit den Eltern in Kontakt zu treten, um sie bei der Erziehung ihrer Kinder zu begleiten und zu unterstützen.
Hausbesuche Jährlich werden Familien zuhause aufgesucht. Dies geschieht im Rahmen der „Elternsprechtage“. Erzieher/-innen berichten den Eltern von der Entwicklung ihres Kindes.. Bei zu erwartenden Sprachproblemen wird ein Dolmetscher organisiert oder eine Vertrauensperson gebeten zu übersetzen.
Vorsorge = U-Untersuchungen
Das Familienzentrum nimmt am Projekt „Kita-Vorsorgebogen“ des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. teil. Das FZB dokumentiert den Zeitpunkt der U-Untersuchung jedes Kindes, weist die Eltern darauf hin und füllt den entsprechenden Kita-Vorsorgebogen aus. Bei nicht wahrgenommenen U-Untersuchungen werden mit den Eltern die Gründe geklärt.
Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Kinderarzt
im Viertel
Viele Eltern im Bilderstöckchen kontaktieren den im Viertel niedergelassenen Kinderarzt Dr. Stolle. Er ist für das FZB Ansprechpartner bei Fragen zur Kinderheilkunde. Bei Bedarf spricht er an Elternabenden zu konkreten Themen. Mit der Nutzung vom „KiTa-Vorsorgebogen“ wird eine enge Zusammenarbeit praktiziert. Indem Erzieher die Eltern auf freiwillige zusätzliche U-Untersuchungen im 3. und 6. Lebensjahr hinweisen, wird das gemeinsame Interesse, das Wohl des Kindes, unterstützt.
5.4 Qualifizierung von MitarbeiterInnen
Kinderschutz
Das Thema Kinderschutz ist im FZB von zentraler Bedeutung. Traditionell gibt es zwischen dem Jugendamt und den Einrichtungen eine enge Kooperation. Der in § 8a SGB VIII angesprochene Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung wird im Familienzentrum Bilderstöckchen sehr ernst genommen. Der Mitarbeiter von Netzwerk e.V. im „Sozialen Dienst“ übernimmt federführend die Aufgabe des Kinderschutzbeauftragten. Weiterhin arbeitet das FZB beim sozialen Frühwarnsystem in Köln mit. In Absprache mit dem Träger wurden beide Teams qualifiziert. Das FZB nutzt die „Herner Materialien“.
Gesundheitsförderung/Bewegungsförderung
Der Gesundheit und der Bewegung wird im Familienzentrum besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das FZB beobachtet viele Kinder mit nicht altersentsprechender Motorik bzw. Körperwahrnehmung in den Einrichtungen. Darauf wird mit der Weiterbildung von Mitarbeiter/-innen in diesem Bereich reagiert. Eine Kollegin besitzt die Zusatzqualifikation „Psychomotorik“. Sie bietet jede Woche regelmäßig mehrere Gruppen an. Zudem arbeitet sie als Multiplikatorin und Fortbildnerin für Mitarbeiter/-innen unseres Familienzentrums.
Interkulturelle Öffnung
Durch den hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund im Familienzentrum ist eine Auseinandersetzung mit diesem Thema fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts. Es gibt in beiden Tageseinrichtungen für Kinder des Verbundes Veranstaltungen und Projekte zur interkulturellen Öffnung. Mitarbeiter/-innen wurden und werden fortlaufend zu dieser Thematik spezialisiert.
5.5 Möglichkeiten der Nutzung des Familienzentrums durch
Dritte
Nutzung der Räume
Nutzung der Räume Das FZB bietet Eltern und Organisationen die Nutzung von Räumen des Familienzentrums an. Dabei handelt es sich um separate Räume, in denen eine ungestörte Beratung, Heilpädagogische Förderung, Sprachtherapie, Elternkurse oder andere Gruppenarbeiten möglich sind.
5.6 Familienbildung und Erziehungspartnerschaft
Im sozialen Brennpunkt gestaltet sich herkömmliche Familienbildung schwierig. Eltern aus bildungsfernen Schichten haben zu Methoden und Inhalten der mittelschichtorientierten Erwachsenenbildung wenig Bezug. Besonders wichtig ist es deshalb, Familienbildung niederschwellig und möglichst praktisch anzubieten.
Elterncafe
Eine zentrale Anlaufstelle ist für die Eltern das 14-tägig veranstaltete Elterncafé. Hier treffen sich Eltern, Verwandte und Freunde aus dem Viertel zwanglos zum Frühstück und Gespräch. Zu ausgewählten Themen werden Referentinnen eingeladen, die ein bestimmtes Thema vorstellen (z.B. gesunde Ernährung, Geschwisterrivalität, etc.). Die Tageseinrichtungen für Kinder organisieren den Treff, begleiten ihn und greifen Gesprächsthemen auf.
Interkulturell ausgerichtete Veranstaltungen
und Aktivitäten
Wegen des hohen Anteils von Familien mit Migrationshintergrund in den Einrichtungen (70,9 % 31.12.2010) ist die pädagogische Arbeit notwendigerweise stark interkulturell geprägt. Traditionell wird das Ramadanfest (Zuckerfest) – als höchstes moslemisches Fest – in den Einrichtungen in großem Rahmen gemeinsam mit den Eltern gefeiert. Ziel ist neben der Wertschätzung der moslemischen Familien vor allem die Erhöhung der Akzeptanz morgenländischer Kultur durch die deutsche Bewohnerschaft. Um diesen Aspekt auszubauen, führen wir jährlich gemeinsam mit anderen sozialen Einrichtungen des Sozialraums und unter Beteiligung von Migrantenfamilien das große Fest „Begegnung der Kulturen“ durch. Weitere interkulturelle Aktivitäten entwickeln wir durch das Angebot von Informationsveranstaltungen und Kursen in türkischer Sprache (Schwangerschaftsberatung, Schuldnerberatung, Starke Eltern – starke Kinder, etc.) sowie durch Workshops, in denen wir uns mit fremden Kulturen auseinandersetzen (afrikanischer Trommelkurs, brasilianischer Capoeira, etc.).
Kurse zur Gesundheitsförderung
Das Thema „Gesundheit für Kinder“ ist im Familienzentrum ein wichtiges Thema. Hier haben die Familien des Viertels viele Probleme und Fragen. Darauf wird reagiert
- mit Projekten zu gesunder Ernährung unter Einbezug der Eltern
- mit Infoveranstaltungen für Eltern
- mit Projekten wie „Eltern kochen für Kinder“ und „Kochclub für Kinder“
- durch heilpädagogische Bewegungsförderung (in Kooperation mit dem Frühförderzentrum)
- mit eigenen psychomotorischen Projekten
- durch das Angebot von Wasserbewegung für Vorschulkinder, Fußballtraining, etc.
- durch den Kurs „Waldtag“: Erzieherinnen fahren mit Eltern und Kindern in den Wald, um Natur zu erleben und sich ohne Rücksicht auf Verkehr und Nachbarn bewegen und austoben zu können.
Kurse zur Medienerziehung/Leseförderung
Im Bereich Medienerziehung wird den Eltern Orientierung geboten, und es werden Qualitätsstandards vermittelt. Angebote sind der Informationsabend (z.B. sinnvolle Computerspiele für Kinder), Bücherausleihe aus einem eigenen Fundus, gemeinsame Büchereibesuche („Die Welt der Bücher entdecken“) und Bücherausstellungen, bei denen Eltern beraten werden, welche Bücher oder Themen sinnvoll für ihre Kinder sind. Für die Schulkinder wird jährlich ein großer Vorlesewettbewerb initiiert. Dabei lesen Kinder aus Büchern ihrer Wahl. Eine aus Kindern und Erwachsenen bestehende Jury stimmt über die besten Vorleser/-innen ab. Die Preisträger werden mit Geschenkgutscheinen für Bücher ausgezeichnet. Eltern und Presse sind zu dieser Veranstaltung eingeladen. Aktivitäten für Eltern
Besonders angenommen werden von den Eltern Feste und Feiern, wo sie untereinander und mit den Erzieher/-innen kommunizieren können. Das FZB trägt dem Rechnung, indem viele Anlässe (christliche, islamische, jahreszeitliche, etc.) wahrgenommen werden, um Feste und Feiern zu initiieren. Es gibt jährliche Familienausflüge, durch die Eltern mit ihren Kindern neue Lebenswelten kennen lernen und neue Erfahrungen miteinander machen können. Darüber hinaus beteiligen sich das FZB und die Eltern an dem jährlichen Stadtteil-Fest.
- Elternveranstaltungen zu pädagogisch wichtigen Themen
Elternveranstaltungen gibt es als Informationsabend und immer häufiger als kleineren Block während des Elternfrühstücks. Dabei wird darauf geachtet, Probleme und Fragestellungen zu behandeln, die aus der Elternschaft kommen oder die in Beratungsgesprächen immer wieder Thema sind.
- Kurse zur Stärkung der Erziehungskompetenz
Ein besonderes Merkmal im sozialen Brennpunkt ist die mangelnde Erziehungskompetenz der Eltern. Soziale Bindungen zu Großeltern und Verwandten gibt es nicht (mehr), die Eltern – oft die Mütter – sind auf sich selbst gestellt. Restriktive und uneindeutige Erziehungsmuster vermitteln häufig den Eindruck elterlicher Überforderung. Aus diesem Grund werden Elternbildungskurse zur Erhöhung der Erziehungskompetenz organisiert, z.B. durch „Triple-P-Kurse“ oder „Starke Eltern – Starke Kinder“. Letzteres auch in türkischer Sprache.
5.7 Lebensmittelausgabe
Ein Angebot an die hohe Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Sozialraum Bilderstöckchen ist die Lebensmittelausgabe in der Escher Straße 304. In Zusammenarbeit mit dem Kellerladen e.V. liefert die Kölner Tafel wöchentlich gespendete Lebensmittel an, die an Menschen im Viertel verteilt werden. Die Bedürftigkeit ist anhand von Köln-Pass oder ARGE-Bescheid nachzuweisen. Darüber hinaus unterstützen wir die Familien bei der Antragsstellung besonders zum „Bildungs- und Teilhabepaket“.
5.8 Kindertagespflege
In Köln wurde aktuell die Vermittlung von Kindertagespflegepersonen auf drei Träger übertragen. Für unseren Bezirk ist der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) zuständig. Den Eltern werden schriftliche Informationsmaterialien zum Thema „Kindertagespflege“ durch Auslage zur Verfügung gestellt. Sie werden auch über ortsnahe Möglichkeiten beraten. Über Angebote zur Qualifizierung von Tageseltern wird das FZB über einen Aushang für die Eltern vom SKF informiert. Zusätzlich gibt es in jeder Einrichtung eine Mitarbeiterin, die Fragen der Eltern zur Kindertagespflege kompetent beantworten kann.
5.9 Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Es ist uns wichtig, Eltern zu entlasten, besonders dann, wenn sie an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit kommen. Das passiert durch wirtschaftliche Zwangslagen, gesundheitliche Probleme, Eheprobleme und mangelnde Erziehungsfähigkeit.
Die Eltern, die einen (zeitweise) Betreuungsbedarf haben, der über die Öffnungszeiten der Einrichtung hinausgeht, werden durch Vermittlung an andere Einrichtungen oder Tagespflegepersonen unterstützt.
Durch den relativ geschlossenen Charakter der Siedlungen gibt es viele Beziehungen der Eltern untereinander. Diese Beziehungen werden genutzt zu nachbarschaftlicher Hilfe, d. h., Eltern werden darin unterstützt, sich gegenseitig zu helfen und stundenweise die Betreuung von Nachbarkindern zu übernehmen.
Im Bedarfsfall werden die Eltern unterstützt
- bei Bring-/Abholdiensten für Kinder
- bei der Notfallbetreuung von Geschwisterkindern und Kindern, die nicht die Einrichtungen des FZB besuchen
- mit der Möglichkeit, dass Geschwisterkinder oder Kinder, die nicht die Einrichtungen des FZB besuchen, an den Mahlzeiten teilnehmen können.
Bei besonderen Veranstaltungen und Kursen (Informationsveranstaltungen, Elterncafe, etc.) gibt es eine Kinderbetreuung. Das FZB kooperiert mit Lucky’s Haus (SKM – Jugendeinrichtung), das regelmäßig Mutter-Kind-Gruppen anbietet.
Ein Babysitterpool mit ausgebildeten Babysittern ist aufgebaut. Durch weitere Ausbildungskurse für Babysittern wird der Pool ständig erweitert und aktualisiert.
Zur Entlastung Alleinerziehender und junger Eltern wird einmal im Halbjahr eine Betreuung am Wochenende angeboten. Es werden bis zu 12 Kinder von Freitagnachmittag bis Samstagmittag in der Einrichtung betreut.
Dem Mittagessen kommt im sozialen Brennpunkt eine besondere Bedeutung zu. Um Kindern eine gesunde, frische und ausgewogene Kost zu bieten, beschäftigen beide Einrichtungen eine hauswirtschaftliche Kraft, die das Mittagessen täglich frisch zubereitet. Nach diesem Konzept bekommen alle Kinder, deren Eltern es wünschen, ein Mittagessen in der Einrichtung.
Einmal in der Woche bietet das Familienzentrum eine Betreuung bis 18.30 Uhr an. Voraussetzung ist eine vorherige Anmeldung oder ein akuter Notfall in der Familie.
6. Ausblick
Das FZB hat in den vergangenen vier Jahren einen festen Platz im Stadtteil eingenommen. Da es sich um einen Verbund handelt, wird eine vielschichtige Begegnung der Menschen ermöglicht. Die beiden Kindertagesstätten haben auf veränderte Bedarfe reagiert. Beide Einrichtungen bieten u3-Gruppen an, eine Einrichtung darüber hinaus noch integrative Gruppen.
Auch weiterhin wird unser Ohr bei den Menschen im Viertel sein. Das ermöglicht uns eine permanente Überprüfung unseres Konzeptes und seine Anpassung an neue bzw. andere notwendige Bedarfe.
Köln, im Dezember 2011
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